prosaische Momentaufnahmen.

 



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Die Ruhe vor dem Sturm.

Hier sitze ich, in meinem kleinen Glashaus, und sonne mich im Glanz der Schattenseiten. Meine Steine habe ich so geworfen, dass sie möglichst nichts zerstören, doch nun sind sie aufgebraucht. Mein Sessel, auf dem ich mich ausruhe, ist aus Lorbeeren gemacht, und ich weiß, ich sollte ihn nicht all zu lang benutzen. Die Grube in meinem Garten wird von tag zu tag größer, ich arbeite hart an ihr. Bald wird sie fertig sein; Ich weiß, dass ich selbst hineinfallen werde, doch ich werde mein Bestes tun, um die Anderen mitzureißen. Meine treue Hündin ist hochschwanger; das Kind wird Unheil heißen. Doch wem wird sie das Junge gebären? Mein Apfelbaum trägt viele Früchte, fast sind sie überreif. Bald werden sie herabfallen, so weit vom Stamm entfernt wie möglich. Sie verkünden eine neue Ära; Eine ohne mich.
Doch bis ich fort bin, wird man mein kleines Anwesen mit meinen eigenen Waffen in einen Haufen wertloser Scherben verwandeln. Oft habe ich meine Fragen in den Wald gerufen, in Hoffnung auf eine Antwort, doch er schwieg. Also bleibe ich hier in meinem Haus, meiner letzten Stätte, wandle zwischen Euphorie und Depression, zwischen meinem Sessel und meinem königlichen Bett, dass von goldenen Stäben umgeben ist. Dort geht es mir gut, ich bin sicher, doch es raubt mir jegliche Freiheit – ein Gefühl, dass ich nicht aushalte.
Warum habe ich bloß den linken Weg eingeschlagen und nicht den Rechten? Ich verlor mich damals im Zwielicht, irrte durch Raum und Zeit auf der Suche nach Unendlichkeit. Ich tanzte durch Korallenriffe, schwamm mit dem Wind und flog durch das Erdreich, doch alles, was ich fand, war ein Wrack von einer Seele, durch und durch skurril. Ich verliebte mich in sie, obwohl ich nichts von Liebe hielt. Erst als ich feststellte, dass ich mich selbst gefunden hatte, verstand ich es. Schließlich kam ich in diesem haus zur Ruhe, um meine letzten Tage vor dem Fall zu genießen und mich in Hochmut mit viel Schaum zu baden.
In der Ferne sehe ich sie näher kommen; Ich weiß, es ist nicht mehr aufzuhalten. Meine Hündin schlägt an, der Wind pfeift durch die zerbrochenen Scheiben und ich erhebe mich. Und laufe dem Schicksal in die all zu weit geöffneten Arme.

2.8.08 17:28
 


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